SHIT HAPPENS! — CRTSHT / Marco Spitzbarth (iBulla), 2021—2026
128 algorithmisch generierte Bilder, 128 physische Originale, 128 Wallets. Fünf Jahre nachdem CRTSHT auf Ethereum gemintet und als Genuine Prints produziert wurde, werden die Arbeiten erstmals gemeinsam ausgestellt — und anschliessend per Draw wieder zerstreut.
2021, als gefühlt jedes JPEG im Internet tokenisiert wurde, entstanden 128 kleine CryptoShits. Die digitalen Bilder wurden auf Ethereum gemintet und gleichzeitig als 20 × 20 cm grosse Genuine Prints auf Alu-Dibond in die physische Welt übersetzt. Jedes Werk erhielt eine eigene Wallet, einen NFT und eine entsprechend komplizierte digitale Identität. Danach passierte fünf Jahre lang: wenig. Die Prints blieben verpackt. Die Blockchain lief weiter.
2026 kommen erstmals alle 128 physischen Arbeiten zusammen. Was 2021 noch als Bewegung in die andere Richtung gedacht war — vom realen Objekt ins Metaverse, vom Besitz zum Token, vom Bild zum Hash — wird heute rückwärts gelesen. Der NFT ist dabei weniger Zukunftsversprechen als Provenienz einer vergangenen Utopie: eine digitale Spur aus einer Zeit, in der Blockchain, Dezentralisierung und digitales Eigentum kurz davor schienen, alles zu verändern.
CRTSHT bringt diese Spur zurück an ihr physisches Objekt. Auf der Rückseite jedes Prints befinden sich vier sichtbare Seedwörter. Sie führen zu einem digitalen Oracle und öffnen einen persönlichen Fortune Cookie. Der vollständige Schlüssel bleibt versiegelt und gehört zum Werk. Bild, Wallet, NFT, Seedwörter, Mooncake, Verpackung und Blockchain-Historie bilden zusammen ein kleines archäologisches Artefakt aus dem Jahr 2021 — irgendwo zwischen Glücksbringer, Archiv, Zugangsschlüssel und unnötig komplizierter Kryptographie.
Im Zentrum steht die Frage, wie sich physische und digitale Welten gegenseitig beeinflussen, überlagern und Spuren ineinander hinterlassen. Man muss Crypto dafür weder verstehen noch mögen. Es ist eigentlich schon Geschichte.
Zu Beginn der Ausstellung hängen alle 128 Arbeiten gemeinsam an einer Wand. Anschliessend werden sie in drei Draws verteilt — nicht nach Rarity, Geschmack, Marktwert oder Algorithmus. Die Teilnehmenden ziehen eine Nummer und damit ihr CRTSHT. Das gezogene Original wird von der Wand genommen, verpackt und verlässt die Ausstellung zusammen mit seiner digitalen Vergangenheit. Mit jedem Draw wird die Wand leerer.
SHIT HAPPENS!
25.09—31.10.2026 · ENDSAFTER · Hardturmstrasse 307 · Zürich
Draws: 25.09 · 17.10 · 31.10.2026 · cryptoshit.info



